BezeichnungInhaltBezeichnungInhalt
Name:15/5435  
Art:Mitteilungsvorlage  
Datum:16.10.2018  
Betreff:Beantwortung der Anfrage des "Bündnis90/Die Grünen" in Sachen "Benötigt die Stadt Remscheid eine Psychiatriekoordination" vom 16.10.2018.
DokumenttypBezeichnungAktionen
Dokument anzeigen: Mitteilungsvorlage Dateigrösse: 301 KB Mitteilungsvorlage 301 KB

Klima-Check

Klima-Check relevante Aspekte sind nicht betroffen

 

Zeit- und Personalkostenaufwand

7 Stunden / 450 Euro

 

 

Mitteilung der Verwaltung

 

Die nachfolgende Information wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Einleitung:

 

Die Zahl der psychischen Erkrankungen ist in den letzten Jahren bundesweit deutlich gestiegen.

Statistisch konnte im Jahr 2016 jeder vierte Arbeitsausfallstag auf das Auftreten einer psychischen Erkrankung, wie z.B. auf eine Depression oder auf eine Angststörung zurückgeführt werden (Quelle: Gesundheitsreport der DAK von 2016).

Im Erhebungsjahr 2016 konnte ein Zuwachs von 28% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden.

 

Eine ähnliche Entwicklung ist seit dem Jahr 2007 im Bereich der Rentenzugänge auf Grund verminderter Erwerbsfähigkeit zu verzeichnen.

 

(Quelle: Landeszentrum für Gesundheit NRW)

 

Aber nicht nur in der Arbeitswelt nehmen psychische Erkrankungen als Ursache von krankheits-bedingten Fehlzeiten zu, auch durch den demographischen Wandel mit einer durchschnittlich älter werdenden Bevölkerung ist mit einer deutlichen Zunahme der gerontopsychiatrischen Erkrankungen in den nächsten Jahren zu rechnen.

Hinzu kommt eine bisher unbekannte Zahl von psychischen Erkrankungen bei Zuwanderern, die im Rahmen von Kriegserlebnisse im Heimatland und der damit verbundene Entwurzelung und Flucht an einer posttraumatischen Belastungsstörung erkranken könnten.

 

Es ist daher damit zu rechnen, dass der Bedarf an psychiatrischer Betreuung und Versorgung, an sozialpsychiatrischer Beratung von Betroffenen und deren Angehörigen und an Kriseninter-vention in den nächsten Jahren im Stadtgebiet weiter zunehmen wird.

 

Eine Psychiatrie- und Suchthilfekoordination könnte die vorhandenen Angebotsstrukturen vernetzen sowie ressourcenschonend und bedarfsadaptiert weiterentwickeln.

 

Die Koordination umfasst auch die Geschäftsführung der psychosozialen Arbeitsgemeinschaft, die Betreuung der damit verbundenen Arbeitsgruppen und Arbeitskreise sowie eine Fachberatung der politischen Mandatsträger und Gremien.

Hinzu kommt die Ausarbeitung und Bereitstellung von Informationen für Experten, Betroffene und deren Angehörige.

 

Die Koordination soll Einrichtungen in ihrer Arbeit unterstützen und über ein gut funktionierendes Netzwerk das hiesige Angebot effizienter gestalten. Darüber hinaus ergibt sich ggf. die Möglichkeit Fördermittel für trägerübergreifende Projekte zu beantragen.

 

Eine weitere Aufgabe der Psychiatrie- und Suchtkoordination ist die Datenerfassung, die Evaluation der Maßnahmen und eine regelmäßige lokale Gesundheitsberichterstattung.

 

Die Einrichtung und die Aufgaben der Stelle Psychiatrie- und Suchtkoordination ist im § 23 ÖGDG NRW (Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst des Landes Nordrhein-Westfalen) beschrieben.

 

Eine Stelle für Psychiatrie- und Suchtkoordination wurde in der Stadt Remscheid bislang nicht eingerichtet.

 

 

 

Beantwortung der Anfrage:

 

1.            Wie viele Städte NRW- und bundesweit haben eine Psychiatriekoordination?

 

Auf Grund fehlender Daten kann diese Frage nicht vollumfänglich beantwortet werden.

Als Beispiel können allerdings 20 Städte im engeren Umkreis angeführt werden, von denen 19  eine Psychiatriekoordination vorhalten.

 

Psychatriekoordination

 

Kreis Düren

nein

Kreis Heinsberg

ja

Kreis Mettmann

ja

Märkischer Kreis

ja

Oberbergischer Kreis

ja

Rhein-Erft-Kreis

ja

Rhein-Kreis Neuss

ja

Rhein-Sieg Kreis

ja

Stadt Bonn

ja

Stadt Düsseldorf

ja

Stadt Hagen

ja

Stadt Köln

ja

Stadt Leverkusen

ja

Stadt Mülheim an der Ruhr

ja

Stadt Solingen

ja

Stadt Wuppertal

ja

Städteregion Aachen

ja

Rheinisch-Bergischer Kreis

ja

Stadt Essen

ja

Stadt Oberhausen

ja

 

 

Allerdings konnte festgestellt werden, dass es sich hierbei nicht nur um Stellen handelt, die sich ausschließlich der Koordination widmen, sondern dass die Stelleinhaber zum Teil auch andere Aufgaben wahrnehmen.

 

 

2.         Welche Aufgaben verfolgt eine Psychiatriekoordination im Detail?

 

 

Als Schwerpunkte der Aufgabenstellung der vorgenannten Tätigkeit sind folgende Bereiche anzusehen:

 

Ø Erwachsenenpsychiatrie

Ø Kinder- und Jugendpsychiatrie

Ø Gerontopsychiatrie

Ø Suchtkranke / Drogenabhängige

 

 

Aus den vorgenannten Bereichen ergeben sich u.a. folgende Aufgaben:

 

·      Vernetzung vorhandener und Entwicklung neuer Strukturen,

·      Beschreibung von Handlungsfeldern mit Entwicklung von Maßnahmen unter Einbeziehen der Akteure und Strukturen vor Ort,

·      Auswertung von Daten,

·      Ermittlung von Bedarfen,

·      Erstellung von Gesundheitsberichten

·      Informationsträger für politische Gremien, Betroffene und Angehörige,

·      Unterstützen der Selbsthilfegruppen,

·      Begleitung der Gremien und Akteure im Bereich Psychiatrie und Sucht

 

 

 

3.            Gibt es für Remscheid den Bedarf eine solche Koordination einzurichten?

 

 

Im Rahmen von gemeinsamen Besprechungen mit den in Remscheid im Bereich Psychiatrie und Sucht tätigen Anbietern wurde in den letzten zwei Jahren immer wieder die Einrichtung einer Psychiatrie- und Suchtkoordination Stelle für erforderlich angesehen.

 

Aufgrund der vorliegenden Daten und der erkennbaren Entwicklung wird mit einer weiteren deutlichen Zunahme der psychischen und Sucht-Erkrankungen zu rechnen sein.

 

 

Insbesondere für die Bereiche

 

·      Bekämpfung von Suchterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

·      Gerontopsychiatrie

 

wird von hier ein großer Bedarf an einer entsprechenden Koordination gesehen.

 

Wie anhand der obigen Aufstellung erkennbar ist, haben andere Kommunen bereits vor vielen Jahren diesen grundsätzlichen Bedarf erkannt und eine Psychiatriekoordination etabliert.

 

Nach Wertung der Gesamtsituation wird von hier die Notwendigkeit der Einrichtung einer entsprechenden Koordination gesehen.

 

 

 

 

 

4.            Was könnte durch die Einrichtung verbessert werden?

 

Durch die Einrichtung einer Stelle Psychiatrie- und Suchtkoordination besteht die Möglichkeit trägerübergreifende Konzepte in den lokalen Netzwerken zu entwickeln, die zu einer deutlichen Verbesserung der Zusammenarbeit und der bedarfsgerechten Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchtproblematiken führen.

 

Durch die Erhebung und die Auswertung von Gesundheitsdaten, die Erstellung von Gesundheitsberichten können frühzeitig Veränderungen dargestellt und entsprechende Maßnahmen generiert werden.

 

Durchr die Beantragung von Projektmitteln können trägerübergreifende Projekte auf den Weg gebracht und ggf. eine Refinanzierung über Projektmittelanträge sichergestellt werden.

 

Aufgrund der o.g. Entwicklungen ist mit einer deutlichen Zunahme der psychischen Erkrankungen in den nächsten Jahren zu rechnen. Suchterkrankungen (Komatrinken, synthetische Drogen, Handy- und Internetspielsucht u.ä.) werden auch in den nächsten Jahren insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle im Alltag spielen, denen es entgegen zu wirken gilt.

 

 

Durch eine fachlich fundierte Gesundheitsberichterstattung können frühzeitig Trends/

Entwicklungen erkannt und Hilfeangebote entwickelt, geplant und umgesetzt werden.

 

Hierzu können dann u.a. medienwirksame Berichte, die Erstellung von Broschüren/

Informationsmaterialien zählen, durch die die Remscheider Bürgerinnen und Bürger besser über das Thema psychische Erkrankungen/Sucht und vorhandene Hilfeangebote informiert werden.

 

Aufgrund der älter werdenden Bevölkerung und der zunehmenden Zahl von Einzelhaushalten mit Menschen ohne familiäre Anbindung wird auch der Bedarf an psychosozialer Betreuung vor Ort (in den Stadtteilen) in den nächsten Jahren von zunehmender Bedeutung sein.

 

So werden auch in den nächsten Jahren die Themen Gerontopsychiatrie und die angemessene, flächendeckende ambulante/stationäre Versorgung der erkrankten Personen die Kommunen beschäftigen.

 

 

Zu den vorgenannten Themenbereichen wird ein Psychiatrie- und Suchtkoordinator bei der Entwicklung lösungsorientierter Konzepte zu beteiligt sein.

 

 

 


Finanzielle Folgen und Auswirkungen

Voraussichtlicher Aufwand und voraussichtliche Auszahlungen im laufenden Jahr und in Folgejahren

keine

Die erforderlichen Haushaltsmittel sind im Ergebnis- und Finanzplan enthalten

entfällt

 


In Vertretung

 

 

 

 

Thomas Neuhaus

Beigordneter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mast-Weisz

Oberbürgermeister