BezeichnungInhaltBezeichnungInhalt
Name:15/5474  
Art:Mitteilungsvorlage  
Datum:23.10.2018  
Betreff:Jugendhilfeplanung "Tagesbetreuung für Kinder" gemäß § 80 SGB VIII - Überprüfung der Planung bis 2020/2021 unter Einbeziehung der aktuellen Bevölkerungsdaten zum 31.12.2017
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Dokument anzeigen: Anlage 1_Entwicklung Kinderzahlen_Stand September 2018 Dateigrösse: 137 KB Anlage 1_Entwicklung Kinderzahlen_Stand September 2018 137 KB
Dokument anzeigen: Anlage 2_Ausbauziele Betreuungsplätze für Kinder_Stand September 2018 Dateigrösse: 121 KB Anlage 2_Ausbauziele Betreuungsplätze für Kinder_Stand September 2018 121 KB
Dokument anzeigen: Anlage 3 Gesamtübersicht 2018 - 2020_Stand September 2018 Dateigrösse: 181 KB Anlage 3 Gesamtübersicht 2018 - 2020_Stand September 2018 181 KB
Dokument anzeigen: Anlage 4_Unberücksichtigte Betreuungsanfragen 25.06.2018 Dateigrösse: 60 KB Anlage 4_Unberücksichtigte Betreuungsanfragen 25.06.2018 60 KB

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Mitteilung der Verwaltung

Die nachfolgende Information wird zur Kenntnis genommen.

 

Die Verwaltung informiert über die Überprüfung der Jugendhilfeplanung "Tagesbetreuung für Kinder" (siehe DS 15/2049 und DS 15/3502) unter Einbeziehung der Bevölkerungsdaten zum 31.12.2017.

 

  1. Anlass der Überprüfung

Der Beschluss zur Jugendhilfeplanung "Tagesbetreuung für Kinder" mit der DS 15/2049 wurde auf der Basis der aktualisierten Bevölkerungsvorausberechnung 2015 bis 2035 in 2016 gefasst.

 

Das Ergebnis besagt, dass für das  Ziel einer bedarfsgerechten Versorgung mit Betreuungsplätzen für Kinder bis zum Kindergartenjahr 2018/2019 die Schaffung von insgesamt 702 zusätzlichen Plätzen in Kindertageseinrichtungen erforderlich ist. Mit der Überprüfung der Planung in 2017 (DS 15/3502) wurde die Ausbaunotwendigkeit bis 2020/2021 fortgeschrieben.

 

Die Bedarfssituation von Betreuungsangeboten für Kinder unterliegt einem ständigen Wandel und wird durch unterschiedliche Entwicklungen beeinflusst. So wirken sich aktuell die Entwicklung der Geburtenzahlen, die Entwicklung des Zuzugs von Familien und die Veränderung der Nachfragesituation nach Betreuungsplätzen maßgeblich auf die Bedarfs- und Versorgungssituation in diesem Bereich aus.

 

Die aktuellen Bevölkerungsdaten, die Entwicklung der Bedarfslage und der bisher noch nicht erreichte Ausbaustand werden zum Anlass genommen, die Bedarfsgerechtigkeit des Angebots und den damit verbundenen Ausbaubedarf einer Überprüfung zu unterziehen und mit dem Versorgungsziel 2020/2021 neu zu berechnen.

 

  1. Bisherige Planungssituation

Das bedarfsgerechte Angebot von Plätzen in Kindertageseinrichtungen zum Kindergartenjahr 2020/2021 wurde bisher berechnet

 

-       auf der Basis der Vorausberechnung der Bevölkerung Remscheids 2015 bis 2035

-       für eine definierte Versorgungsquote von 98 % für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt und 39 % für Kinder unter drei Jahren.

Die Entwicklung der Geburten in den letzten beiden Jahren und der Zuzug von Familien nach Remscheid zeigen deutlich höhere Zahlen als die zu Grunde gelegte Bevölkerungs-vorausberechnung.

 

Darüber hinaus hat sich die Nachfragesituation für Plätze von Kindern unter drei Jahren dahingehend verändert, dass Familien zunehmend bereits für ihre Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz suchen. Das Bundesfamilienministerium geht davon aus, dass sich in NRW 41,9 % der Eltern von Kindern unter drei Jahren einen Betreuungsplatz wünschen[1]. Die Landesregierung NRW geht davon aus, dass der Bedarf noch höher liegt.[2] Diese Tendenz wird bestätigt durch das  Anmeldeverhalten der Remscheider Familien im Meldeportal LITTLE BIRD (siehe Anlage 4). Aktuell können demnach für das Kindergartenjahr 2018/2019 (Stichtag 25.06.2018) 343 Meldungen zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren nicht berücksichtigt werden. Zusätzlich zu den 1.016 Plätzen, die in Kindertagespflege und Kindertageseinrichtungen zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren aktuell angeboten werden können, ergäbe dies sogar einen aktuellen Bedarf in Remscheid von knapp 45 %.

 

Im Kontext der Inklusion müssen auch die Rahmenbedingungen zur Betreuung von Kindern mit Behinderung in den Blick genommen werden. Aktuell erfordert die Betreuung von Kindern mit Behinderung eine Platzreduzierung in der entsprechenden Kindertageseinrichtung. Die Bedarfsermittlung für die Schaffung von Betreuungsplätzen für Kinder mit Behinderung orientiert sich mangels fester Quoten an Größenordnungen aus Langzeitstudien des Deutschen Jugendinstituts (DJI), die auch das Bundesfamilienministerium zu Grunde legt. Demnach gibt es 4 % bis 6 % behinderte Kinder pro Jahrgang. Das bedeutet für Remscheid bei der Berücksichtigung von 4 Jahrgängen à  900 Kindern einen Bedarf von 144 Betreuungsplätzen für Kinder mit Behinderung. Da bereits 118 entsprechende Plätze in sog. Integrativen Einrichtungen vorgehalten werden, sind für die weiteren 26 Plätze zur Einzelintegration zusätzliche Plätze einzuplanen, um die die Platzanzahl in den Einrichtungen reduziert werden muss.

 

  1. Überprüfung und Aktualisierung

Unter Berücksichtigung der aktuellen Bevölkerungsdaten zum Stand 31.12.2017, einer erhöhten Bedarfsquote von 42 % zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren (Landesdurchschnitt NRW) und von zusätzlichen 26 Plätzen zur Einzelintegration von Kindern mit Behinderung wird der Ausbaubedarf neu berechnet.

 

Zur Annäherung an die realen Zahlen werden die Bevölkerungsdaten zum Stichtag 31.12.2017 für die kommenden Jahre vereinfacht fortgeschrieben (Anlage 1).

 

Die Berechnungsergebnisse für die Kindergartenjahre 2018/2019, 2019/2020 und 2020/2021 zeigen, dass insgesamt eine Steigerung im Ausbaubedarf zu verzeichnen ist (Anlage 2). Hierbei ist zu berücksichtigen:

 

-       20-25 Plätze des Gesamtausbaubedarfs wurden bereits in der KTE Zaunkönig dauerhaft geschaffen.

-       20 Plätze werden durch eine Erweiterung der Ev. KTE Steinackerstraße (Waldgruppe) dauerhaft geschaffen.

-       65 Plätze sind aktuell im Provisorium Am Schützenplatz vorhanden und stehen bis zum Kindergartenjahr 2019/2020 zur Verfügung. Für das Kindergartenjahr 2020/2021 entfallen hier voraussichtlich 65 Plätze.

-       20 Plätze können durch eine Erweiterung des Städtischen Familienzentrums Honsberg durch eine Waldgruppe dauerhaft geschaffen werden.

-       Zur Erreichung der Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren werden zusätzliche 50 Plätze in Kindertagespflege ab 2019/2020 (d.h. gesamt 350 Plätze) eingerechnet, die zeitnah geschaffen werden müssen. Damit wird die bisherige Zielorientierung für das Angebot zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren mit einem Verhältnis von 30% der Plätze in Kindertagespflege und 70% der Plätze in Kindertageseinrichtungen weiter eingehalten.

-       Die in der Umsetzung befindlichen und geplanten neuen Kindertageseinrichtungen sind hier noch nicht berücksichtigt.

-       Die aktuellen ca. 120 - 125 Überbelegungen, die durch die Kindertageseinrichtungen aller Trägerschaften ermöglicht werden, um dem akuten Bedarf zumindest punktuell entgegen zu wirken, können jedoch nicht als strukturelle Angebote berücksichtigt werden. Bei einem weiteren bedarfsgerechten Ausbau müssen die Einrichtungen hier wieder auf das reguläre Maß entlastet werden.

-       Mit der Neuberechnung ergibt sich derzeit ein Gesamtdefizit von insgesamt mindestens 784 Plätzen bis 2020/2021 (Anlage 3).

  1. Aktueller Ausbaustand bzw. Ausbauplanung

Es befinden sich bereits Projekte in Planung und Umsetzung, die bisher auf die Deckung des in 2016 festgestellten zusätzlichen Bedarfes von 702 Plätzen ausgerichtet sind. Folgende Ausbauschritte sind für die kommenden Jahre bisher vorgesehen:

 

Kindergartenjahr

Stadtbezirk

Einrichtung

Betreuungsplätze

2019/2020

Alt-Remscheid

Step Kids,

Arturstraße

30 Plätze u3

80 Plätze ü3

Städt. Familienzentrum Honsberg

20 Plätze ü3

Lüttringhausen

Initiative Jugendhilfe,

Fritz-Ruhrmann-Straße

20 Plätze u3

60 Plätze ü3

Süd

Netzwerk ISS,

Sedanstraße

20 Plätze u3

60 Plätze ü3

 

 

 

 

2020/2021

Lennep

Hackenberg

20 Plätze u3

60 Plätze ü3

Lennep

weiterer Standort

25 Plätze u3

75 Plätze ü3

Süd

Oststraße

20 Plätze u3

60 Plätze ü3

Alt-Remscheid

Städt. Kindertageseinrichtung

Am Schützenplatz

-65 Plätze ü3

Alt-Remscheid

weiterer Standort

20 Plätze u3

60 Plätze ü3

Süd

weiterer Standort

25 Plätze u3

75 Plätze ü3

 

 

Unter Berücksichtigung der neuen Daten und der Umsetzung der o.g. Maßnahmen könnte sich folgende Bedarfssituation für die Kindergartenjahre 2019/2020 und 2020/2021 entwickeln:

 

 

 

Alt-Remscheid

gesamt

Süd

gesamt

Lennep

gesamt

Lüttringh.

gesamt

Remscheid

gesamt

 

u3

ü3

u3

ü3

u3

ü3

u3

ü3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2019/2020

-34

-73

-107

-20

-76

-96

-48

-169

-217

+6

-35

-29

-96 u3

-353 ü3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2020/2021

-14

-78

-92

+25

+59

+84

-3

-34

-37

+6

-35

-29

+14 u3

-88 ü3

 

 

  1. Fazit

Sollten sich

-       alle bisher bereits konkret in der Umsetzung befindlichen Maßnahmen (Arturstraße, Fritz-Ruhrmann-Straße, Sedanstraße, Waldgruppe Honsberg),

-       alle bereits in der Planung befindlichen Maßnahmen (Hackenberg, Oststraße)

-       und die weiteren, bisher in der Standortprüfung befindlichen Maßnahmen

in den vorgesehenen zeitnahen Schritten realisieren lassen, reicht nach dem aktuellen Stand der  Prüfung im Rahmen der Jugendhilfeplanung die Ausbauorientierung offensichtlich nicht aus, um dem perspektivischen Gesamtbedarf an Betreuungsplätzen gerecht zu werden.

Es ist davon auszugehen, dass mindestens eine weitere Einrichtung mit 4-5 Gruppen zur Versorgung des Bedarfs erforderlich sein wird. Die Geburten bis August 2018 in Remscheid lassen erneut höhere Zahlen erwarten, als dies in der Bevölkerungsvorausberechnung für 2018 prognostiziert ist.

 

Während der Umsetzung der geplanten Ausbaumaßnahmen müssen die Entwicklungen sowohl der Geburten und des Zuzugs als auch der Betreuungsbedarfe der Familien beobachtet werden, um ggf. weitere Handlungsbedarfe zu erkennen und zeitnah reagieren zu können.

 

Die bisherigen Ausbauplanungen und –umsetzungen zeigen, dass definitve Aussagen zur zeitlichen Realisierung neuer Kindertageseinrichtungen nur schwer getroffen werden können. Daher können die finanziellen Folgen für einen weiteren Ausbau, der über den unter Punkt 4. dargestellten hinausgeht, erst dargestellt werden, wenn konkrete Planungen anstehen.

 

 

 

In Vertretung

 

 

Neuhaus

Beigeordneter

 



[1] https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/hintergrund-u3-betreuung-100.html

[2] https://www1.wdr.de/nachrichten/landespolitik/westpol-kita-nrw-100.html


Finanzielle Folgen und Auswirkungen

Voraussichtlicher Aufwand und voraussichtliche Auszahlungen im laufenden Jahr und in Folgejahren

keine

Die erforderlichen Haushaltsmittel sind im Ergebnis- und Finanzplan enthalten

entfällt

 


Mast-Weisz

Oberbürgermeister