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Name:14/0768  
Aktenzeichen:2.51 L
Art:Mitteilungsvorlage  
Datum:22.03.2011  
Betreff:1. Kommunaler Armutsbericht
- Antrag der Fraktion DIE LINKE vom 21.6.2010
 

Zu dem Antrag der Fraktion DIE LINKE vom 21.6.2010 – eingebracht in die Sitzung des Ausschusses für Soziales,  Gesundheit und Wohnen am 29.6.2010 wird wie folgt berichtet:

 

Sachstand zum 1. Kommunalen Armutsbericht

 

Im Juni 2005 wurde der 1. Kommunale Armutsbericht der Stadt Remscheid durch den Rat verabschiedet.

 

Die im Bericht dargestellten Handlungsperspektiven wurden im Rahmen der Zuständigkeit der Kommune durch die Verwaltung berücksichtigt und entsprechend der geltenden Rechtsgrundlagen

umgesetzt.

 

 

1. Kinder, Jugend und Familie

Die Handlungsperspektiven in diesem Themenfeld waren ausgerichtet auf

-          Erhalt und Ausbau einer bedarfsgerechten Betreuungsinfrastruktur in Trägervielfalt

-          Unterstützung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

-          familienbildende Angebote zur Stärkung von Erziehungs- und Alltagskompetenz

-          außerschulische Bildung als Armutsprävention und Beitrag zur sozialen Teilhabe

-          finanzielle Unterstützung zur Förderung von Chancengleichheit

-          Stärkung von Gesundheitsförderung durch Information und Aufklärung

-          Unterstützung beim Übergang von der Schule in den Beruf

 

Alle in den vergangenen Jahren geplanten und umgesetzten Maßnahmen im Bereich der Betreuungsinfrastruktur waren darauf ausgerichtet, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen, gerechte Bildungschancen für alle Kinder "von Anfang an" zu ermöglichen sowie sprachliche, soziale und persönliche Kompetenzen zu stärken. Dabei ist die Verwaltung stets ausführendes Organ in der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben und politischer Beschlüsse. Unterstützt wurden die Maßnahmen durch umfangreiche finanzielle Landes- und Bundesprogramme. In diesem Kontext zu benennen sind insbesondere

-          der Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen und in Kindertagespflege,

-          der Ausbau von Familienzentren,

-          der Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder mit Behinderung,

-          der Ausbau der Betreuung von Schulkindern im Rahmen der offenen Ganztagsgrundschule und der pädagogischen Übermittagsbetreuung.

 

Grundschulen und Kindertageseinrichtungen haben in fünf Regionalgruppen ein stadtweites, nachhaltiges Netzwerk geschaffen, über das gemeinsam die sensible Phase des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule im Stadtteil gestaltet werden kann. Die Grundschulen führen gemeinsam mit den Kindertageseinrichtungen die Sprachstandserhebung bei den 4-jährigen Kindern durch, notwendige festgestellte Sprachförderungen erfolgen flächendeckend.

 

Die Kindertageseinrichtungen entwickeln innerhalb ihrer pädagogischen Konzeptionen pro Standort individuelle Lösungen in der Begegnung der kulturellen Vielfalt dieser Stadt. Die Kindertageseinrichtung eignet sich besonders gut, niederschwellig und selbstverständlich die kulturellen Unterschiede als Bereicherung  tolerant und wertschätzend in die Gestaltung des pädagogischen Alltags zu integrieren.

 

Die Weiterentwicklung einiger Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren eröffnet Familien niederschwellig einen leichten Zugang zu unterschiedlichen Angeboten im Stadtteil. In den letzen Jahren haben sich in Remscheid folgende Familienzentren der Qualifikation gestellt: Familienzentrum Otto-Pfeiffer Haus (IKE), Familienzentrum Nordstraße der Elterninitiative Kraftstation, Familienzentrum Ahörnchen e.V., Ev. Familienzentrum Leipziger Str., Familienzentrum im Park der Kath. Kgm. St. Marien, trägerübergreifendes Familienzentrum im Verbund Lüttringhausen, Städt. Familienzentrum Honsberg, Familienzentrum der ev. Elterninitiative Hackenberg, Städt. Familienzentrum Vieringhausen, Ev. Familienzentrum im Verbund Innenstadt.

 

Die Vermittlung von (Alltags)Kompetenzen im Sinne eines umfassenden Bildungsverständnisses erfolgt in allen Bildungseinrichtungen im Rahmen der individuellen Förderung (u. a. Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen und Schulen). Beispielhaft kann in diesem Kontext u. a. hingewiesen werden auf Streitschlichterprogramme in Schulen, Programme zur Gewaltprävention in Schulen und Freizeitstätten, Ernährungs- und Bewegungsprojekte in Kindertageseinrichtungen, Familienbildungsstätten und Schulen.

 

Außerschulische Bildung findet mit ihren vielfältigen Möglichkeiten weiterhin in Remscheid statt. Sowohl die Offene Kinder- und Jugendarbeit als auch die verbandliche Kinder- und Jugendarbeit leisten hier wertvolle Angebote. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen können jedoch nicht alle Bedarfe in dem eigentlich notwendigen Umfang gedeckt werden. Weitere finanzielle und personelle Einschnitte stellen eine existentielle Gefährdung der noch bestehenden Angebote und Träger dar. Die Aufrechterhaltung der Angebotspalette des Kinder- und Jugendförderplanes kann nur in dem notwendigen finanziellen Rahmen gewährleistet werden. Die individuelle finanzielle Unterstützung von Kindern und Jugendlichen zur Ermöglichung der Teilnahme an Ferienmaßnahmen ist Bestandteil des Kinder- und Jugendförderplans. Die Zahl der Anträge auf Bezuschussung hat in den letzten Jahren zugenommen. Bei der Entwicklung und Bewerbung der Angebote wurde besonderer Wert auf die Niederschwelligkeit gelegt. Die innerörtlichen Ferienangebote in den Stadtteilen wurden ausgeweitet.

 

Ein idealtypisches und bedeutsames Angebot der sozialen Bildung bieten die Remscheider Sportvereine. Dort werden flächendeckend adäquate Möglichkeiten bereit gehalten, die zur sozialen und kulturellen  Kompetenz sowie zur Selbstwertschätzung, Integration und Eigenverantwortung zu sozialen Bedingungen ausbilden. Für den weiteren Erhalt und Ausbau der Angebote ist die Akzeptanz der Vereine, aber auch deren Möglichkeiten entscheidend, Qualifizierungen für Übungsleiter und weiteres Betreuungspersonal zu gewährleisten.

 

Gesundheitsförderliche Bildungsangebote für Eltern, Kinder, Jugendliche und Fachkräfte konnten insbesondere im Rahmen vielfältiger Sportmöglichkeiten sowie Bewegungs- und Ernährungsangebote sowohl als freiwillige Maßnahmen als auch im Kontext institutioneller Betreuung ihren armutspräventiven Charakter z.B. im Sinne des Ausgleiches von Benachteiligungen entfalten. Neben der individuellen Förderung bieten auch hier Netzwerke unterschiedlicher Träger, Vereine und Einrichtungen wichtige Rahmenbedingungen für Armutsprävention. Für die Kindertageseinrichtungen  besteht jederzeit die Möglichkeit, den Kinder- und Jugendmedizinischen Dienst zu kontaktieren und Kinder (mit dem Einverständnis der Eltern!) vorzustellen. Reihenuntersuchungen in Kindertageseinrichtungen sind mit den personellen Ressourcen des Fachdienstes Gesundheitswesen nicht zu realisieren.  Zur besseren Information der Familien wirkt dieser jedoch im Rahmen seiner Ressourcen an Elternveranstaltungen mit. Außerdem existieren mit einigen Familienzentren konkrete Kooperationsvereinbarungen. Zukunftsziel ist die systematische Gesundheitsförderung auch in allen Einrichtungen der Kinder- und Jugendförderung.

 

In den Grundschulen finden jährliche Untersuchungen durch den Schulzahnarzt statt.

Die Teilnahme von Schulen am Programm „Gesunde Schule“ unterstützt das Gesundheitsverhalten von Schülerinnen und Schülern.

 

Zur niedrigschwelligen aufsuchenden Arbeit wurde das Homeparty-Konzept entwickelt. Es bietet in den Modulen Ernährung und Bewegung Informationen über die Bedeutung der Thematik für die kindliche Entwicklung. Die Nachfrage ist in den Stadtteilen sehr unterschiedlich und insgesamt nicht befriedigend.  Ziel ist, über die Rucksackgruppen von Müttern erste Sensibilisierung zu erreichen.

 

Begleitung und Unterstützung von Jugendlichen im Übergang von der Schule in den Beruf konnten in Kooperation mit Schulen, Maßnahmeträgern, der Kompetenzagentur, der ARGE Remscheid und der Bundesanstalt für Arbeit  in unterschiedlichsten kooperativen Beziehungen zur Verbesserung der beruflichen Integration beitragen und damit Armut verhindern. Berufsorientierung erfolgte durch den flächendeckend eingesetzten Berufswahlpass, des Weiteren Angebote der Berufskollegs zur Erlangung der Ausbildungsreife (Berufsorientierungsjahr, Vorklasse zum BGJ,..) und Kurse der VHS zur Erlangung des Hauptschulabschluss.

 

Seit 2006 leistet die Kompetenzagentur für benachteiligte junge Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf wertvolle Beiträge in der frühzeitigen Über­gangsgestaltung, der individuellen, passgenauen Beratung und Unterstützung besonders benachteiligter Jugendlicher sowie der nachhaltigen Koordinierung und Ver­besserung der Kooperations- und Angebotsstrukturen vor Ort. Die Weiterentwicklung der Angebote und die Abstimmung der Zusammenarbeit erfolgt kontinuierlich u. a. in der Arbeitsgemeinschaft-Jugendsozialarbeit.

 

 

 

2. Soziales und Gesundheit

In diesem Handlungsfeld waren die Empfehlungen ausgerichtet auf

-          Unterstützung / Aktivierung bei der eigenständigen Sicherstellung des Lebensunterhaltes

-          Unterstützung bei Verschuldungs- und Überschuldungsproblemen

-          Gesundheitsförderung und Kindesschutz

-          Gesundheit und soziale Teilhabe von Senioren

 

Die Unterstützung / Aktivierung bei der eigenständigen Sicherstellung des Lebensunterhaltes fällt in das Aufgabenfeld der ARGE (seit 2011 „Jobcenter“).

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben und der Personal- und Weisungsabhängigkeit von den Trägern ist der Handlungs- und Gestaltungsspielraum der ARGE begrenzt.

Da das SGB II die Integration in den Arbeitsmarkt in den Mittelpunkt stellt, kommen sozialpolitische Aspekte häufig zu kurz.

Kompensationsmöglichkeiten ergeben sich durch die Anwendung des Casemanagements, gute Netzwerkarbeit und eine große Kooperationsbereitschaft mit den beteiligten Institutionen.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Beteiligung der ARGE an der Finanzierung der örtlichen Arbeitslosenberatungsstelle der Diakonie.

 

Die Unterstützung betroffener Menschen bei Verschuldungs- und Überschuldungsproblemen wird in Remscheid durch die Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes übernommen.

Die Schuldnerberatungsstelle in Remscheid, einer der Städte mit hoher Überschuldung (Platz 396 von 413 Kreisen / kreisfreien Städten), kann trotz einer 2007 durchgeführten Aufstockung von 2 auf 3 Stellen den Beratungsbedarf aktuell nicht abdecken. Aufgrund der hohen Schuldnerquote und der hohen Langzeitarbeitslosigkeit in Remscheid wird der Bedarf in absehbarer Zeit nicht sinken, was zu weiterhin erheblichen Wartezeiten für betroffene Menschen führt. Von daher kann nach Aussage der Schuldnerberatungsstelle auch die präventive Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen nur unzureichend erfolgen.

 

 

Ein weiteres wichtiges im Armutsbericht aufgezeigtes Aufgabenfeld ist die Gesundheitsförderung von Kindern / Jugendlichen sowie der Kindesschutz.

 

Zielsetzung der Prävention ist die Schaffung eines frühzeitigen Gesundheitsbewusstseins durch die Unterstützung von Familien unter Berücksichtigung schichtspezifischer Unterschiede im Gesundheits- und Krankheitsverhalten. Die Bewegungs- und Koordinationsförderung sowie die Ernährungsberatung sollen im Mittelpunkt gesundheitsförderlicher Maßnahmen stehen.

Gesundheitsförderung ist  Bestandteil der pädagogischen Konzeptionen aller Tageseinrichtungen und fördert das Gesundheitsverhalten der Kinder. Regelmäßiges Zähneputzen in den Einrichtungen ist beispielsweise selbstverständlicher Bestandteil des Alltags der betreuten Kinder. Viele Kindertageseinrichtungen  fördern aktiv die Bewegung und die Familienzentren kooperieren mit Sportvereinen. Dies gilt ebenso für das Angebot im Rahmen der OGS.

Der Kinder- und jugendmedizinische Dienst sowie die Frühförderstelle der Lebenshilfe sind wichtige Partner der Kindertageseinrichtungen für die Gesundheitsförderung.

 

Seit 2004 hält die Präventionskampagne „mobil & gesund“ das Thema Adipositas in der Öffentlichkeit. Mit Hilfe von Spendengeldern wurde ein Babytagebuch für das erste Lebensjahr erstellt, das seit September 2010 alle in Remscheid geborenen Kinder kostenlos erhalten. Außerdem werden trägerübergreifende Fortbildungen zur Bewegungsförderung für ErzieherInnen angeboten. Mit Unterstützung der Sportstiftung Remscheid ist es seit dem Jahr 2007 möglich, dass drei Einrichtungen pro Jahr ein gezieltes Bewegungsangebot für Kinder anbieten können. Eine ausgewogene Ernährung wird sowohl in den Kindertageseinrichtungen als auch in der OGS für Schülerinnen und Schüler als Ziel an allen Standorten verfolgt. Es gibt an einigen Modellschulen Elternbildungsangebote zu diesem Thema („Gesunde Schule“).

Das Netzwerk Gesundheitsförderung bei der AG Kindergesundheit der Gesundheitskonferenz verfolgt das Ziel, Leitlinien und Standards zu verschiedenen gesundheitsförderlichen Feldern zu erarbeiten und zur Verfügung zu stellen.

 

Die Gesundheitskonferenz hat sich auch gezielt mit dem Thema Armut beschäftigt und eine Arbeitsgruppe zur Gesundheitsförderung im Stadtteil eingerichtet. Hier wird z.Z. an einem Modellprojekt zur Gesundheitsförderung in einem Familienzentrum und einer Grundschule in einem sozial benachteiligten Stadtteil unter Einsatz eines Case-Managers gearbeitet. Eine Förderung soll über die Stiftung Mensch beantragt werden.

 

 

Im Rahmen des Kindesschutzes stehen insbesondere Störungen der emotionalen und sozialen Entwicklung, Hinweise auf Kindesmisshandlung, Kindesvernachlässigung und sexuellen Missbrauch im Mittelpunkt.

In diesem Kontext gibt es neben der gesetzlichen Vorgabe (allgemeiner staatlicher Schutzauftrag als Aufgabe der Jugendämter) in Remscheid „Leitlinien zum Schutz des Kindeswohls“, worin insbesondere eine Schulung der Fachkräfte festgeschrieben ist. In Remscheid hat die AG Hilfen zur Erziehung Instrumente zum Kinderschutz entwickelt (z.B. Kinderschutzbögen zur Diagnostik, Hilfeplanung und Dokumentation).

Auf der Grundlage des § 42 Abs. 6 SchulG NRW , der den Schulen einen eigenen Schutzauftrag für das Kindeswohl aufträgt, sind Kooperationsvereinbarungen zwischen Jugendhilfe und Schule in Anlehnung an die „Leitlinien zum Schutz des Kindeswohls“ bereits mit vielen Schulen abgeschlossen. 

 

 

Auch die Früherkennungsuntersuchungen sollen der Prävention und dem Kinderschutz dienen.

Mit der „Verordnung zur Datenmeldung der Teilnahme an Kinderfrüherkennungsuntersuchungen / U-Untersuchungen (U-Untersuchung- TeilnahmedatenVO – UTeilnahmeDatVO)“ hat der Gesetzgeber versucht, eine Lücke im Kinderschutz zu schließen. Die Familien, deren Kinderarzt keine positive Meldung hinsichtlich der Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen an das Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit des Landes NRW (LIGA) gemeldet hat, werden in eigener Verantwortung des Jugendamtes kontaktiert, um eine Kindeswohlgefährdung auszuschließen.

Die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen erhalten bereits bei Aufnahme des Kindes Einsicht in das Untersuchungsheft / den Impfpass des Kindes und können sich so einen ersten Einblick verschaffen.

Zum Kinderschutz sind verbindliche Vereinbarungen mit den beteiligten Systemen Jugendhilfe, Schule, Gesundheitswesen, Sozialwesen und Justiz getroffen.

Mit den genannten Maßnahmen können Hinweise auf Risikolagen in der Entwicklung von Kindern sehr engmaschig und auf einer soliden und breiten Basis verschiedener Professionen wahrgenommen werden und durch adäquate Hilfeangebote eine Abwendung möglicher Gefährdungslagen herbeigeführt werden.

 

 

Ein vierter Schwerpunkt im Bereich Soziales und Gesundheit  orientiert sich an der Gruppe älter werdender Menschen, einer in Zukunft größer werdenden Bevölkerungsgruppe. Es geht hier um die soziale Teilhabe der älteren Menschen sowie um die Bereitstellung bedarfsgerechter Angebote für ältere Menschen mit Hilfebedarf aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen.

 

Zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Einbindung der gesellschaftlichen Ressourcen älterer Menschen wurde im Jahr 2006 in Remscheid zunächst eine repräsentative Befragung „Wünsche für ein Leben und Wohnen im Alter“ durchgeführt, da die Vorstellungen der älteren Menschen selbst bei allen weiteren Planungen im Mittelpunkt stehen sollen.

Im Rahmen der darauf aufbauenden Gründung des „Runden Tisches 50+“ mit den in der Remscheider Seniorenarbeit tätigen Akteuren wurden zwischenzeitlich einige konkrete Projekte im Sinne der genannten Zielsetzung umgesetzt. Genannt seien die Gründung einer Freiwilligenzentrale / Ehrenamtsbörse („Die Brücke e.V.“) sowie die Einrichtung von Begegnungs- und Beratungszentren in allen Stadtbezirken (BBZ).

 

Daneben steht die Entwicklung barrierefreier und altengerechter Wohnangebote seit einigen Jahren bei Gesprächen mit Investoren und Trägern verstärkt im Vordergrund. Für Investoren ist die Schaffung  bedarfsgerechter Wohnmöglichkeiten von Interesse, die älteren Menschen auch bei eintretendem Hilfebedarf den längstmöglichen Verbleib im gewohnten häuslichen Wohnumfeld ermöglichen.

 

Im Rahmen der kommunalen Pflegeplanung (ehemals Pflegebedarfsplanung) wird regelmäßig überprüft, inwieweit im komplementären, ambulanten, teilstationären und stationären Bereich in Remscheid ein vielfältiges und ausreichendes / bedarfsgerechtes Angebot zur Verfügung steht. Die Umsetzung des Grundsatzes „ambulant vor stationär“ findet dabei Beachtung. Träger und Investoren werden entsprechend beraten, um für Hilfs-/Pflegebedürftigen in Remscheid die erforderliche Hilfe/Unterstützung quartiersnah zu schaffen und auch kulturspezifische Belange zu berücksichtigen.

 

3. Arbeiten und Wohnen

"Strukturwandel, steigende Qualifikationsanforderungen und gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen sind auf der kommunalen Ebene nur bedingt beeinflussbar."  Dies wurde so bereits im Armutsbericht festgestellt. Die wenigen Möglichkeiten in diesem Handlungsfeld, das so nachhaltig Armutsrisiken beinhaltet, wurden gesehen in

-          Förderung von sprachlichen und sonstigen Kompetenzen,

-          Hilfen zur sozialen Integration bei multiplen Problemlagen

-          Begleitung  insbesondere junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf

-          Wohnungsangebote für Menschen mit verschiedenen / speziellen Bedarfslagen

 

Zur Verwirklichung einer ganzheitlichen und umfassenden Betreuung und Unterstützung bei der Eingliederung in Arbeit sieht das SGB II flankierende Maßnahmen (kommunale Eingliederungsleistungen) vor:

-          Kinderbetreuung / häusliche Pflege von Angehörigen

-          Schuldnerberatung

-          Suchtberatung

-          psychosoziale Betreuung

Diese Aufgaben wurden in Remscheid nicht der ARGE (seit Anfang 2011 „Jobcenter“) übertragen. Dennoch gibt es in Bezug auf die vorgenannten Bedarfe klare Absprachen und Regelungen zur Zusammenarbeit mit den entsprechenden Institutionen, um den Hilfeempfängern den Zugang zu den erforderlichen Leistungen zu ermöglichen.

 

Zudem kommen spezielle arbeitsmarktpolitische Instrumente zur Anwendung, um Personen mit besonderen Vermittlungshemmnissen und Defiziten gezielt zu fördern (z.B. „Zabi & Difco“  - spezielle Diagnostik-, Förder- und Coachingprogramme für Menschen mit psychischen Erkrankungen; „Knut“ - Maßnahme für den Personenkreis u25 zur Behebung von Verhaltensdefiziten).

Die Praxis zeigt, dass multiple Problemlagen fast schon der Regelfall sind. Im Hinblick auf die Ausübung einer Erwerbstätigkeit und die Integration in den Arbeitsmarkt stellen sie starke Vermittlungshemmnisse dar.

Fallmanagement kommt daher sowohl im u25-, als auch im ü25-Team zur Anwendung, wobei die ARGE im Hinblick auf ihre personelle Ausstattung von ihren Trägern abhängig ist.

 

Zudem wurden spezielle arbeitsmarktpolitische Instrumente entwickelt, um Langzeitarbeitslosigkeit und multiplen Vermittlungshemmnissen zu begegnen.

Beispiele :

-          Beschäftigungszuschuss (§ 16e SGB II)

-          Aktivcenter (§ 16 SGB II i.V.m. § 46 SGB III)

-          Perspektive 50+/Beschäftigungspakt für Ältere (voraus. Start in RS in 01/2011)

 

Voraussetzung für eine erfolgreiche Integrationsarbeit sind auch die Rahmenbedingungen, die den Zugang zur Erwerbstätigkeit ermöglichen bzw. erhalten.

Die ARGE setzt hier insbesondere auf den Zugang zu den kommunalen Eingliederungsleistungen, die Förderung beruflicher Weiterbildung und spezielle Zielgruppenkonzepte (z.B. Coaching für potentielle Existenzgründer, Aktivcenter für Frauen).

Zudem werden Trainings- und Aktivierungsmaßnahmen weitgehend als Teilzeitangebote eingekauft, um Barrieren für potentielle TeilnehmerInnen abzubauen bzw. zu vermeiden.

 

Unternehmerkontakte laufen schwerpunktmäßig über den Arbeitgeberservice (AGS), der vor Ort von Bundesagentur und ARGE gemeinsam betrieben wird, um die Vermittlungsarbeit zu verbessern und eine hohe Arbeitgeberorientierung zu erreichen (z.B. durch den gezielten Einsatz von Eingliederungszuschüssen).

Kontakte in die Wirtschaft bestehen zudem insbesondere über den ARGE-Beirat und die örtlichen Wirtschaftsjunioren.

 

Die ARGE hat innerhalb ihres Vermittlungsbereichs zur Betreuung junger Menschen ein spezielles Team zur Betreuung der unter 25-Jährigen eingerichtet (u25).

 

Obwohl Ausbildungsvermittlung und Berufsorientierung originäre Aufgaben der Bundesagentur für Arbeit sind, zeigt die ARGE auch in diesem Bereich Präsenz. Sie kooperiert mit den örtlichen Trägern und Beratungsstellen, unterstützt Berufsausbildungen (insbesondere auch in außerbetrieblichen Einrichtungen oder als Teilzeitausbildung), ist Mitglied der AG Jugendsozialarbeit und beteiligt sich finanziell an der Arbeit der örtlichen Kompetenzagentur. Zudem richtet die ARGE seit 2006 die jährliche Jugendkonferenz aus, in deren Mittelpunkt z.B. im Jahr 2010 der Themenkomplex „Übergang Schule-Beruf“ stand.

 

 

Durch wohnungspolitische Entscheidungen können sowohl die Entwicklung als auch die Folgen von Armut beeinflusst werden. Segregation und Ghettobildung sind zu vermeiden und es bedarf Wohnungsangebote für Menschen mit speziellen Bedarfslagen (z.B. Mehrpersonenhaushalte, Single-/Paarhaushalte, altersgerechte Wohnmöglichkeiten, Wohn- und Betreuungsmöglichkeiten für Junge Erwachsene sowie für von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen).

Notwendig ist hier eine zielgerichtete Gesamtplanung unter Berücksichtigung grundsätzlicher wohnungsbaupolitischer Überlegungen. Hier sind neben den städtischen Stellen auch die Wohnungsbaugesellschaften einzubeziehen, die in Remscheid über einen großen Wohnungsbestand verfügen. 

Aktuell wird in Remscheid momentan ein  Wohnraumversorgungskonzept / wohnungspolitisches Handlungskonzept erarbeitet.

Bei Einzelmaßnahmen erfolgt die Beteiligung der betroffenen Fachämter im Rahmen der frühzeitigen Träger- und Behördenbeteiligung und der Offenlage. Auch Fachbeiräte werden beteiligt und alle haben somit die Möglichkeit, ihre fachliche Sicht zu Einzelprojekten darzulegen.

 

 

 

4. Migration / Integration

 

Innerhalb des Themenfeldes Migration / Integration wurden durch die Handlungsperspektiven folgende Bereiche besonders ins Auge gefasst:

-          Unterstützung und Förderung der sprachlichen Kompetenzen

-          Förderung höherer Bildungsabschlüsse für junge Menschen mit Migrationshintergrund

-          Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt

-          Zugang zur und Nutzung der Gesundheitsversorgung

-          Stärkung der kommunikativen und interkulturellen Kompetenz innerhalb der Verwaltung

-          mehrsprachiges und kultursensibel aufbereitetes Informationsmaterial

 

Mit der Einrichtung des Migrationsbüros in 2006 und der Bildung des Zentraldienstes Integration und Migration im Geschäftsbereich der Oberbürgermeisterin wird der Integrationsarbeit in Remscheid der entsprechende gesellschaftliche Stellenwert eingeräumt.

 

Neben einer umfangreichen Datenerhebung zum Thema Migrationsarbeit baut der Zentraldienst Integration und Migration kontinuierlich sein Beratungsangebot aus. Dabei wird intensiv mit bereits bestehenden Netzwerken zusammen gearbeitet.

 

Sämtliche Informationen und Angebote zum Themenfeld Integrationsarbeit in Remscheid sind internetgestützt unter www.miteinander-in-remscheid.de abrufbar.

 

Im Rahmen der Leistungsgewährung nach dem SGB II werden nachfolgende Sprachfördermaßnahmen angeboten und durch mehrsprachiges Informationsmaterial beworben:

-          Vermittlung in Integrationskurse

-          Vermittlung in die berufsbezogene Sprachförderung des ESF-BAMF-Programms

-          Angebot arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen in Kombination mit Sprachförderung (hier : AGH mit Sprachqualifizierung)

Zudem ist die ARGE im Arbeitskreis „Deutsch lernen in Remscheid“ vertreten.

Neben den bereits bestehenden Angeboten der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA), hat der Zentraldienst Integration und Migration mit Hilfe diverser Förderungen des Landes Nordrhein-Westfalen den Aufbau neuer Netzwerke angestoßen, um die Elternarbeit weiter auszubauen.

Die ARGE ist darum bemüht, der persönlichen, wirtschaftlichen und sozialen Lage jeder hilfebedürftigen Person gerecht zu werden.

Zu diesem Zweck werden den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen u.a. auch Fortbildungen in interkultureller Kompetenz angeboten.

 

Im Hinblick auf die Handlungsperspektive, Erwerbstätigkeit als zentrales Element einer erfolgreichen Integration zu verstehen, laden bereits seit einigen Jahren speziell geschulte ARGE-Mitarbeiterinnen in Zusammenarbeit mit einem Sozialberater Migrantinnen zu einem Gesprächskreis (in deutscher und türkischer Sprache) ein, um gezielt über Integrationsmöglichkeiten zu informieren und die Teilnehmerinnen zugleich zu entsprechenden Schritten in das Berufsleben zu motivieren.

Außerdem wird für die Zielgruppe der Migranten eine spezielle Aktivierungsmaßnahme (Aktivcenter) angeboten.

 

In diesem Zusammenhang sei aber auch auf eine aktuelle Studie der Universität Duisburg/Essen hingewiesen. Danach fühlen sich Migranten außerhalb des SGB II-Leistungsbezugs weniger gesellschaftlich zugehörig als die einheimische Bevölkerung, während sich dieses Verhältnis im SGB II-Leistungsbezug umdreht.

Die Anerkennung ausländischer Berufs- und Bildungsabschlüsse soll zügiger und transparenter werden. Dies sieht auch ein aktueller Gesetzesentwurf des Bundesbildungsministeriums vor.

In diesem Zusammenhang wäre es wünschenswert, wenn diese Entwicklung auch zur Bildung einer "Anerkennungskultur" der Potenziale der Migranten in der einheimischen Gesellschaft führen würde.

Der FD Gesundheitswesen arbeitet  intensiv an der interkulturellen Öffnung. Dazu gehören neben der kundenfreundlichen Gestaltung, der Arbeit an einem Leitbild und einer Befragung der Bürger/innen zur Zufriedenheit auch die Auseinandersetzung mit der eigenen und mit fremden Kulturen und Fortbildungen zur interkulturellen Kompetenz für alle Mitarbeiter/innen. Leider lässt der Haushaltsansatz für Fortbildungen eine Schulung aller aber nicht zu, so dass derzeit nach Lösungen gesucht wird, wie der Prozess der Öffnung hier gestützt werden kann.

 

Der Zentraldienst Personal und Organisation legt in Zusammenarbeit mit dem Zentraldienst Integration und Migration eine neue Fortbildungsreihe in 2011 mit dem Titel „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung“ auf. 

 

Das Seminar richtet sich an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Die oben geschilderte Arbeit nach dem Diversity-Ansatz beschäftigt sich auch mit den Informationsmaterialien. Inzwischen gibt es gute Broschüren zu unterschiedlichen Themen auch in verschiedenen Sprachen.

 

Seitens der städtischen Pflegeberatung werden Informationsflyer schon seit längerer Zeit mehrsprachig zur Verfügung gestellt. Im Jahr 2010 wurde eine Informationsreihe speziell für Migrantinnen/Migranten insbesondere über ambulante Hilfsmöglichkeiten in 6 Sprachen konzipiert und angeboten.

Ebenfalls mehrsprachig konzipiert wurde die im Jahr 2009 seitens der Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid sowie des Kreises Mettmann gemeinsam herausgegebene Informationsbroschüre „Haushaltsnahe Dienstleistungen in der Region“.

 

 

 

Gender Mainstreaming

 

Angeregt durch den Armutsbericht wurde angedockt an die Regionalagentur eine regionale Arbeitsgruppe "Frauen und Armut" gebildet. An dieser nahmen neben den Gleichstellungsbeauftragten Vertreterinnen der ARGEn, aus den Sozialdiensten der Städte sowie von freien Wohlfahrtsverbänden und der Fraueninfrastruktur teil. Der Austausch wurde sehr begrüßt, da herausgearbeitet werden konnte, welche praktischen Probleme Frauen im Leistungsbezug haben, aber auch, wo die Grenzen der Hilfemöglichkeiten der Sozialleistungsträger liegen. Die Arbeitsgruppe hat somit sehr zur Verständigung und Kooperation beigetragen.

 

Um dieses auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde im Jahr 2008 eine regionale Fachtagung ("Einmal im Geldspeicher schwimmen") durchgeführt.

 

Seitdem hat sich die AG nur noch sporadisch getroffen, da die anstehende Neuorganisation abgewartet werden soll, um weitere Projekte zu bearbeiten.

 

Der sog. Gender-Ansatz, also die Bewusstmachung der nicht nur im biologischen, sondern im gesellschaftlichen Geschlecht verankerten Unterschiede in gesundheitlicher Hinsicht soll in die Gesundheitsberichterstattung einfließen.  Im Bericht über die allgemeinpsychiatrische Versorgung in Remscheid wurde die Fragestellung erörtert. In den naturwissenschaftlich ausgerichteten Disziplinen braucht eine sozialwissenschaftlich geleitete Herangehensweise eine gewisse Gewöhnungszeit.

 

In Vertretung

 

 

 

 

Mast-Weisz

Stadtdirektor

 


Finanzielle Folgen und Auswirkungen

Voraussichtlicher Aufwand und voraussichtliche Auszahlungen im laufenden Jahr und in Folgejahren

keine

Die erforderlichen Haushaltsmittel sind im Ergebnis- und Finanzplan enthalten

entfällt

 


 

 

Wilding

Oberbürgermeisterin